Selbstständig machen: Die erste Website richtig aufbauen

Sie haben eine Idee, vielleicht schon einen Businessplan, und irgendwo auf Ihrer Liste steht der Punkt "Website". Wahrscheinlich irgendwo zwischen Gewerbeanmeldung, Sozialversicherung und dem ersten Termin bei der Steuerberatung. Und wahrscheinlich fragen Sie sich gerade, wie viel Website es am Anfang eigentlich braucht.

Die kurze Antwort: Weniger, als Sie denken. Aber besser aufgebaut, als die meisten glauben.

Dieser Artikel zeigt, warum eine eigene Website für Gründerinnen und Gründer heute weit mehr ist als eine digitale Visitenkarte, wie die erste Version aussehen sollte und warum Struktur dabei wichtiger ist als Umfang.

Warum überhaupt eine eigene Website, wenn es doch Social Media gibt?

Viele Selbstständige starten mit einem Profil in einem sozialen Netzwerk. Das geht schnell, kostet nichts und fühlt sich nach einem echten Anfang an. Für den ersten Kontakt mit Freunden und Bekannten ist das auch völlig in Ordnung.

Das Problem: Ein Social-Media-Profil gehört nicht Ihnen. Sie sind dort zu Gast. Die Plattform entscheidet, wie viele Menschen Ihre Beiträge sehen, welche Informationen Sie anzeigen dürfen und im schlimmsten Fall, ob Ihr Konto morgen noch existiert. Reichweite, die Sie dort aufbauen, ist geliehen.

Ihre eigene Website ist der einzige Ort im Internet, über den Sie vollständig selbst bestimmen. Und sie hat noch eine zweite, oft unterschätzte Rolle: Suchmaschinen und KI-Systeme behandeln die offizielle Website eines Unternehmens als zentrale Quelle der Wahrheit. Alle anderen Profile, Einträge und Erwähnungen werden daran gemessen. Die Website ist also nicht einer von vielen Kanälen, sondern das Zentrum, auf das alles andere verweist.

SEO, AEO, GEO: Drei Abkürzungen, ein gemeinsames Ziel

Wer sich mit digitaler Sichtbarkeit beschäftigt, stolpert schnell über ein ganzes Bündel an Abkürzungen. Das wirkt einschüchternd, ist aber halb so wild. Im Kern beschreiben alle drei Begriffe, auf welchem Weg Menschen heute zu Ihnen finden:

  • SEO (Suchmaschinenoptimierung): Ihre Website wird in den klassischen Suchergebnissen gefunden, wenn jemand nach Ihrer Leistung sucht.
  • AEO (Answer Engine Optimization): Ihre Inhalte werden als direkte Antwort ausgespielt, etwa in den KI-Zusammenfassungen über den Suchergebnissen oder über Sprachassistenten.
  • GEO (Generative Engine Optimization): KI-Assistenten kennen Ihr Unternehmen, verstehen, was Sie anbieten, und empfehlen Sie, wenn jemand nach einer passenden Lösung fragt.

Die gute Nachricht: Das sind keine drei getrennten Baustellen. Alle drei belohnen dieselben Grundlagen, nämlich klare Inhalte, eine eindeutige Struktur und vertrauenswürdige Signale. Wer diese Grundlagen von Anfang an richtig legt, arbeitet automatisch für alle drei.

Für Gründerinnen und Gründer gibt es dabei eine Besonderheit, die gleichzeitig Nachteil und Chance ist. Ein neues Unternehmen kennt noch keine KI. Es steht in keinen Trainingsdaten, es gibt keine Bewertungen, keine Presseartikel, keine gewachsene Geschichte im Netz. Alles, was ein KI-System über Sie erfahren kann, stammt aus dem, was es jetzt gerade findet. Das klingt zunächst nach einem Problem. Tatsächlich ist es aber auch ein unbeschriebenes Blatt: keine veralteten Einträge, keine widersprüchlichen Daten, keine Altlasten. Sie können von Anfang an sauber festlegen, wie Ihr Unternehmen digital verstanden wird.

Klein, aber strukturiert: So sieht die erste Version aus

In der Gründungsphase beobachte ich zwei typische Extreme. Die einen warten monatelang mit der Website, weil noch nicht alles perfekt ist. Die anderen bauen gleich eine riesige Seite mit zwanzig Unterseiten, die nach einem halben Jahr niemand mehr pflegt, weil sich das Angebot inzwischen verändert hat.

Beides ist nicht nötig. Die erste Liveversion Ihrer Website darf klein sein. Sie muss aber durchdacht aufgebaut sein. Für die meisten Gründungen reichen vier bis sechs Seiten, von denen jede eine klare Aufgabe hat:

  • Startseite: In zwei, drei Sätzen, wer Sie sind, was Sie anbieten, für wen und in welcher Region. Dazu ein gut sichtbarer Weg zur Kontaktaufnahme.
  • Leistungsseite(n): Idealerweise eine eigene Seite pro Kernleistung, statt alles auf einer Seite zusammenzufassen.
  • Über mich bzw. Über uns: Die Person hinter dem Unternehmen, der Werdegang, die Qualifikationen und ein echtes Foto.
  • Kontakt: Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Adresse oder Einzugsgebiet und ein einfaches Formular.
  • Impressum und Datenschutzerklärung: Rechtlich vorgeschrieben und gleichzeitig ein Vertrauenssignal.
  • Optional eine FAQ-Seite: Fünf bis acht Fragen, die Ihnen potenzielle Kunden tatsächlich stellen, jeweils mit einer kurzen, direkten Antwort.

Warum eine eigene Seite pro Leistung? Weil jede Seite damit ein klares Thema hat. Suchmaschinen und KI-Systeme erkennen dadurch eindeutig, wofür Sie stehen, statt aus einer bunten Sammelseite erraten zu müssen, was Ihr Schwerpunkt ist.

"Strukturiert" bedeutet dabei ganz konkret: eine logische Seitenhierarchie, sprechende Adressen wie /leistungen/buchhaltung statt kryptischer Zahlenfolgen, genau eine Hauptüberschrift pro Seite, aussagekräftige Zwischenüberschriften, sinnvolle Verlinkungen zwischen den Seiten sowie eine schnelle und fehlerfreie Darstellung auf dem Smartphone.

Der große Vorteil dieses Ansatzes: Eine sauber strukturierte kleine Website kann mitwachsen. Referenzen, Fachartikel oder neue Leistungen lassen sich später einfach ergänzen, ohne dass alles neu gebaut werden muss.

Strukturierte Daten: Die Knotenpunkte, an denen KI Sie erkennt

Jetzt wird es kurz technisch, aber keine Sorge, das Prinzip ist einfach.

Die Texte auf Ihrer Website sind für Menschen geschrieben. Eine Maschine muss sie erst interpretieren, und dabei passieren Fehler. Ist "Müller" der Firmenname, der Name der Gründerin oder eine Straße? Ist die Nummer im Text eine Telefonnummer oder eine Kundennummer?

Strukturierte Daten, meist im Format JSON-LD umgesetzt, lösen dieses Problem. Sie sind eine Art Datenblatt im Hintergrund Ihrer Website, unsichtbar für Besucher, aber eindeutig lesbar für Suchmaschinen und KI-Systeme. Man kann sie sich als Knotenpunkte vorstellen, die miteinander verbunden sind: Das Unternehmen ist mit der Gründerin verknüpft, die Gründerin mit ihren Qualifikationen, das Unternehmen mit seinen Leistungen, seinem Standort und seinen offiziellen Profilen im Netz. So entsteht ein klares Bild, das eine KI nicht mehr erraten muss.

Für eine Gründung sollten mindestens diese Informationen strukturiert hinterlegt sein:

  • Das Unternehmen mit Name, Adresse oder Einzugsgebiet, Kontaktdaten und Logo
  • Die Person hinter dem Unternehmen mit Name, Rolle und fachlichem Hintergrund
  • Die angebotenen Leistungen mit einer kurzen Beschreibung
  • Verweise auf Ihre offiziellen Online-Profile, damit Maschinen erkennen, dass diese Einträge zu Ihnen gehören
  • Häufige Fragen und Antworten, sofern Sie eine FAQ-Seite haben
  • Später auch Fachartikel mit Autor, Thema und Veröffentlichungsdatum

Ein wichtiger Grundsatz: Die strukturierten Daten müssen mit dem übereinstimmen, was auf der Website sichtbar steht. Wer dort Informationen hinterlegt, die Besucher nirgends finden, riskiert, dass die Daten ignoriert werden oder sogar negativ auffallen.

Und warum gerade zum Start? Weil es der einfachste Zeitpunkt ist. Bei einer neuen Website lassen sich diese Knotenpunkte in einem Zug sauber anlegen. Bei einer gewachsenen Website mit vielen Seiten, alten Daten und mehreren Umbauten ist das Nachrüsten deutlich aufwendiger. Ein Hinweis noch: Viele einfache Website-Baukästen erzeugen nur sehr allgemeine oder gar keine strukturierten Daten. Es lohnt sich, das vor der Entscheidung für ein System zu prüfen.

Vertrauen, das Maschinen erkennen: Online-Profile und E-E-A-T

Suchmaschinen bewerten Inhalte unter anderem danach, wie vertrauenswürdig die Quelle ist. In der Fachwelt hat sich dafür die Abkürzung E-E-A-T etabliert. Sie steht für Erfahrung, Expertise, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. KI-Systeme gehen bei der Auswahl ihrer Quellen und Empfehlungen nach sehr ähnlichen Kriterien vor.

Für ein junges Unternehmen ist das zunächst eine Hürde. Es gibt noch keine lange Geschichte, keine Bewertungen, keine Presseartikel. Aber: Sie als Person haben diese Geschichte sehr wohl. Ihre Ausbildung, Ihre Berufsjahre vor der Gründung, Ihre Zertifikate und Ihre Erfahrung zählen. Genau deshalb ist die Über-mich-Seite für Gründerinnen und Gründer so wertvoll. Sie überträgt Ihre persönliche Glaubwürdigkeit auf das neue Unternehmen.

Damit diese Glaubwürdigkeit auch für Maschinen nachvollziehbar wird, braucht es Bestätigung von außen. Hier kommen Online-Profile ins Spiel. Sinnvolle Einträge für den Start sind zum Beispiel:

  • Unternehmensprofile bei den gängigen Kartendiensten, nicht nur bei einem Anbieter
  • Der Eintrag im Firmenverzeichnis der Wirtschaftskammer
  • Ein gepflegtes Profil in einem beruflichen Netzwerk, das auf Ihre Website verweist
  • Mitgliedschaften in Berufs- oder Branchenverbänden, sofern vorhanden
  • Einträge in branchenspezifischen Verzeichnissen und Portalen
  • Erwähnungen auf regionalen Plattformen, in Gründernetzwerken oder lokalen Medien

Entscheidend ist dabei nicht die Menge, sondern die Konsistenz. Name, Adresse, Telefonnummer und Leistungsbeschreibung sollten überall exakt gleich lauten. Jedes Profil sollte auf Ihre Website verweisen, und Ihre Website verweist über die strukturierten Daten wiederum auf diese Profile. So entsteht ein geschlossener Kreis aus gegenseitigen Bestätigungen, und genau das ist eines der stärksten Vertrauenssignale, die ein neues Unternehmen senden kann.

Lieber fünf gepflegte Profile als zwanzig verwaiste. Ein leerer Eintrag mit veralteten Daten schadet mehr, als er nützt.

Was rechtlich nicht fehlen darf

So klein die erste Website sein darf, bei den Pflichtangaben gibt es keinen Spielraum. In Österreich braucht praktisch jede geschäftliche Website ein Impressum mit den gesetzlich vorgeschriebenen Angaben, unter anderem nach dem E-Commerce-Gesetz und dem Mediengesetz. Dazu kommt eine Datenschutzerklärung, die beschreibt, welche Daten auf Ihrer Website verarbeitet werden. Setzen Sie Analyse-Werkzeuge oder eingebundene Inhalte externer Anbieter ein, ist in der Regel auch eine Einwilligungslösung für Cookies nötig.

Für bestimmte Online-Angebote, etwa Webshops, gelten seit Mitte 2025 zudem Anforderungen an die Barrierefreiheit. Kleinstunternehmen sind davon teilweise ausgenommen, eine kurze Prüfung lohnt sich trotzdem.

Die Wirtschaftskammer stellt zu all diesen Punkten verständliche Informationen und Muster zur Verfügung. Diese Hinweise ersetzen keine Rechtsberatung, zeigen aber, dass die rechtliche Seite von Beginn an mitgedacht werden sollte.

Checkliste: Ihr digitaler Start in der Gründungsphase

Wenn Sie gerade Ihre Selbstständigkeit vorbereiten, hilft diese Liste, nichts Wesentliches zu vergessen. Die Reihenfolge entspricht in etwa dem sinnvollen Ablauf:

  • Firmennamen festlegen und die exakte Schreibweise für alle Einträge definieren
  • Passende Domain sichern, idealerweise mit .at-Endung für den österreichischen Markt
  • E-Mail-Adresse mit eigener Domain einrichten, statt einer Gratis-Adresse
  • Kernleistungen und Zielgruppe in einfachen Worten beschreiben
  • Seitenstruktur für die erste Version festlegen: Start, Leistungen, Über mich, Kontakt, Impressum, Datenschutz
  • Über-mich-Seite mit echtem Foto, Werdegang und Qualifikationen erstellen
  • Strukturierte Daten für Unternehmen, Person und Leistungen hinterlegen
  • Impressum und Datenschutzerklärung vollständig und korrekt ausarbeiten
  • Darstellung und Ladezeit auf dem Smartphone prüfen
  • Profile bei Kartendiensten und im Firmenverzeichnis der Wirtschaftskammer anlegen
  • Berufliches Netzwerkprofil aktualisieren und mit der Website verknüpfen
  • Alle Einträge auf identische Daten prüfen
  • Die ersten Kundinnen und Kunden aktiv um eine Bewertung bitten

Typische Fehler, die sich leicht vermeiden lassen

Einige Stolpersteine sehe ich bei Gründungen immer wieder. Sie kosten später Zeit und Sichtbarkeit, lassen sich aber am Anfang mit wenig Aufwand umgehen:

  • Nur ein Social-Media-Profil statt einer eigenen Website: Die Sichtbarkeit hängt dann vollständig von einer fremden Plattform ab.
  • Auf die perfekte Website warten: Monate ohne Website sind Monate, in denen niemand Sie findet und keine Maschine lernt, wer Sie sind.
  • Gratis-Subdomain und Freemail-Adresse: Beides wirkt wenig professionell und erschwert den Aufbau einer eigenständigen Marke.
  • Unterschiedliche Schreibweisen des Firmennamens: Einmal mit Rechtsform, einmal ohne, einmal abgekürzt. Für Menschen egal, für Maschinen verwirrend.
  • Ein System wählen, das keine Kontrolle über Struktur und Daten erlaubt: Was am Anfang bequem ist, wird beim Wachsen schnell zur Einschränkung.

Was nach dem Start kommt

Ist die erste Version online, beginnt der eigentliche Aufbau. Mit jedem zufriedenen Kunden können Bewertungen dazukommen. Mit jedem abgeschlossenen Projekt eine Referenz. Und mit der Zeit Fachartikel, die genau jene Fragen beantworten, die Ihnen im Arbeitsalltag immer wieder gestellt werden.

Weil die Grundlage sauber strukturiert ist, fügt sich jeder dieser Bausteine nahtlos ein und stärkt das Bild, das Suchmaschinen und KI-Systeme von Ihrem Unternehmen haben. Aus einer kleinen, klugen Website wird so Schritt für Schritt ein Auftritt, der Anfragen bringt.

Der nächste Schritt

Wenn Sie gerade Ihre Selbstständigkeit vorbereiten und sich fragen, wie Ihre erste Website konkret aussehen sollte, damit sie von Anfang an richtig verstanden wird, dann reden wir darüber.

In einem kostenlosen Erstgespräch klären wir gemeinsam, was Sie für Ihren Start wirklich brauchen, was warten kann und wie Ihre Website so aufgebaut wird, dass sie mit Ihrem Unternehmen mitwächst. Ohne Druck, ohne Verpflichtung. Einfach ein ehrliches Gespräch über Ihren digitalen Start.


 Über den Autor

Marco Kriegner
Experte für technisches Online-Marketing
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